Bond, interactive performance, 2017 Bond, interactive performance, 2017 Emotional Exploitation, interactive performance, 2019 Emotional Exploitation, interactive performance, 2019 Diva, installation, 2018 Diva, detail of the installation, 2018 Diva, detail of the installation, 2018

Bond ist eine Performance für den öffentlichen Raum in Venedig. Dort herrscht ein Kampf um Ressourcen und Territorium. Die Gebäude gehören anonymen Investor*innen. Die venezianische Bevölkerung beansprucht Raum für touristische Betriebe, um etwas vom internationalen Kapitalstrom abzugreifen. Die Tourist*innen nehmen sich den Raum für romantisierten Konsum und dessen fotografische Dokumentation. In den Straßen Venedigs hat niemand genug Platz.
Bond untersucht eine der erfolgreichsten Strategien in diesem Kampf: Händchenhalten. Die Performer*innen halten sich an den Händen und lehnen sich weit auseinander. Sie spannen einen größeren Raum zwischen sich auf als ein flanierendes Liebespaar. Sie stützen sich aufeinander. Als Einzelne könnten sie nicht so viel Raum für sich beanspruchen.
Das Performer*innenpaar wandelt die romantische Geste in eine aggressive. Es wird zur Festung in den Straßen Venedigs.
Performer*innen: Torben Jost & Merlind Papke Idee & Umsetzung: Torben Jost

Emotional Exploitation ist eine interaktive Performance im Workshopformat. Alle Betrachter*innen sind auch Workshop-Teilnehmer*innen. Es gibt kein Publikum im klassischen Sinne. Auf Basis von im Verlauf der Performance gesammelten Fragebogenmaterials entwickelt sich ein repetitives Ritual, das immer wieder in Feedbackrunden und dem Verbalisieren von Gefühlen endet. Was alle Teilnehmer*innen hauptsächlich aus dem Workshop mitnehmen: die Teilnahmebestätigung.
Emotional Exploitation wirkt auf den ersten Blick wie ein Selbsterfahrungsworkshop. Aber die Performance verheimlicht nicht, dass sie etwas Anderes ist, als sie vorgibt zu sein. Oder wie ist sonst das überdimensionierte Schaumstoffobjekt zu erklären, das im Kreis pendelt? Und warum läuft Emotions von Mariah Carey in Endlosschleife?
Durch die ständige Wiederholung werden die Ergebnisse der Fragebögen zu Worthülsen und dennoch mit Bedeutung aufgeladen. Die Leitung des Workshops ist offensichtlich sehr um jede Emotion der Teilnehmer*innen bemüht. Dennoch stellt sich immer mehr die Frage wozu und was den Teilnehmer*innen dafür im Austausch geboten wird.
Während unsere inneren Erfahrungswelten zunehmend unendlich erscheinen, wandeln sich Emotionen in eine Art abgeschlossene Einheiten. Emotional Exploitation untersucht die Praktiken und Bedeutungen, die unsere Emotionen tauschbar machen.

Diva ist eine Videoinstallation mit found footage. Silbrige Vorhänge fallen von der Decke herab und erschaffen einen scheinbar vom Ausstellungsraum getrennten Bühnenraum. Verführerisch locken Lichter und Klänge hinter das Lametta. Dort wartet ein vermeintliches Karaoke-Setting. Nur, das Mikro blickt von oben herab und ist nicht eingestöpselt. Die Texteinblendungen auf dem Röhrenbildschirm sind zu schnell getaktet. Hier soll nicht mitgesungen werden. Stattdessen hängen die Betrachter*innen an den Texteinblendungen des Bildschirms und an den Lippen der Diven.
Die Diva ist eine popkulturelle Figur deren Anziehung und Macht in ihrer Verletzlichkeit liegen. Für die übertriebene Betonung sowie die Ästhetisierung ihres Schmerzes wird sie verehrt. Diese kultähnliche Verehrung wurzelt auch in queeren Traditionen, die den Traum p egen, an ihre Stelle zu treten. Wer durch den Lamettavorhang schreitet, stellt sich dem intimen Blick der Diva. Die Grenze zwischen Performance der Diven auf dem Bildschirm und Performance der Betrachter*innen im Ausstellungsraum verschwimmt.